[Blog-O-Quest] No-Gos – Was gar nicht geht

Logo #03 der RPG Blog-O-QuestNachdem die letzten Monate für mich beruflich zu stressig waren, um in meiner Freizeit Blogbeiträge zu schreiben, melde ich mich mit einer Blog-O-Quest zurück. Ausgerichtet wird die Oktober Blog-O-Quest von Michael Jaegers, der mit dem Thema No-Gos ein ernsteres Thema ausgesucht hat. Wer die Blog-O-Quest nicht kennt, findet eine Erklärung am Ende des Beitrags.

Gibt es Menschen, mit denen Du nicht gemeinsam an einem Spieltisch (egal ob physisch oder virtuell) sitzen möchtest? Welche sind das und wie gehst Du damit um?

Es gibt einige Personen, mit denen ich ungerne oder gar nicht an einem Spieltisch sitzen will. Ohne es pauschal auszuschließen, würde ich eher weniger mit Leuten spielen, die einen komplett anderen Spielstil als ich präferieren. Gerade bei Oneshots ist es oft kein Problem und kann sogar eine interessante Erfahrung sein, sich zusammenzureißen und einmal etwas anderes auszuprobieren. Langfristig sehe ich darin allerdings Potenzial, dass es frustrierend wird, wenn es keinen gemeinsamen Nenner gibt.

Personen, die (outgame) charakterlich daneben sind, hatte ich bislang zum Glück nur vereinzelt. Es gibt allerdings zu viele angenehme Rollenspielerinnen, als dass ich für solche Personen viel Geduld aufbringe. Mir fallen grob drei Gruppen von Personen ein, die darunterfallen:

  • Leute, die sich absichtlich in irgendeiner Weise *phob oder *istisch äußern und sich damit disqualifizieren. In einem etwas spezielleren Sinne fallen darunter auch alle, die andere Rollenspielerinnen aufgrund ihrer PnP-Vorlieben bewusst herabwürdigen, egal ob es um etwas nachweislich Mehrheitsfähiges wie DSA oder kleine Reihen wie My Little Pony. (Beides erlebt.)
  • Spielerinnen, die den Spielspaß ihrer Mitspielerinnen durch ihr Verhalten ingame absichtlich ruinieren, wie ich es in meinem Blogartikel Regel null: Spiele nicht mit einem A* mal an einem eigenen Erlebnis festgehalten habe.
  • Im weiteren Sinne zum vorangegangenen Punkt auch jene Personen, die den sozialen und gemeinschaftlichen Aspekt des Hobbys nicht verstanden haben, und den Spielspaß ihrer Mitspielerinnen gefährden. Ein Beispiel dafür ist jener Spieler, der keinerlei Anstalten gemacht hat, sich auf die Regeln einzulassen. Dafür wurde mir von ihm die Tür zum Abschied vor der Nase zugeknallt, weil das Einsteigerabenteuer aus dem Grundregelwerk von Star Wars: Am Rande des Imperiums ihm nicht zugesagt hat.

In der Regel lade ich solche Personen nicht in meine Runden ein oder steige selbst aus, wenn mir so etwas unterkommt. Wenn die Umstände das nicht zulassen, beispielsweise weil sie für ein öffentliches Spieletreffen geplant war, dann sage ich eine solche Runde im Notfall auch ab und organisiere sie gegebenenfalls auch mit den Interessentinnen, die es nicht betrifft, privat neu.

 

Was geht für Dich am Spieltisch (outgame) nicht? Alkohol, fettige Pommes, lautstarkes Rülpsen oder Körperkontakt? Wie ist das vereinbart?

So wie die Frage formuliert ist, fällt mir dazu keine Antwort ein. Allgemeine Anstandsregeln sollten gewahrt bleiben, damit sich jeder am Tisch wohlfühlt. Typische Streitthemen wie Alkohol finde ich durchaus in Ordnung, solange niemand zu tief ins Glas schaut und das Spiel stört. Körperkontakt sollte ohnehin nur in einem sozialverträglichen, akzeptablen Rahmen stattfinden, bei dem sich niemand unwohl füllt.

Im Rahmen des gegenseitigen Respekts und guter Umgangsformen sollte das nicht gesondert vereinbart werden müssen und gegebenenfalls Hinweise akzeptiert werden. Zumindest als Spielleiter biete ich in neuen Gruppen immer an, gegebenenfalls zu mir zu kommen und Problemfälle zu regeln, sollte es notwendig sein.

 

Was geht für Dich ingame nicht? Gibt es Tabus zu Themen oder Handlungen? Und wie kommunizierst Du das?

Diese Frage fällt mir schwer, abschließend zu beantworten. Typische Themen und Handlungen, die ich im Rollenspiel vermeide, sind ausgespielte Flirt- und Liebesszenen sowie explizite und detaillierte Darstellungen von Gewalt gegen Kinder, Vergewaltigungen und Folter. Je nach Thema gibt es allerdings einen gewissen Rahmen, den ich akzeptabel finde, beispielsweise wenn im Fall eines Flirts kurz gewürfelt wird, anstatt Details zu beschreiben.

Insgesamt sind diese Themen eher dazu geeignet, Beklemmung zu verursachen, als das Spiel zu bereichern. (Hoffentlich eher erheiternde Anekdoten, wie Liebe und Flirt im Rollenspiel für mich nicht funktionieren, gibt es in einem alten Blogbeitrag zum RSP-Karneval.) Im Notfall muss so etwas möglichst zeitnah angesprochen und die Szene am besten gleich unterbrochen werden. Siehe auch die übernächste Frage zur X-Card.

 

Wie reagierst Du, wenn ein Spieler sich in- oder outgame in deine persönliche No-Go-Area begibt, vielleicht sogar nachhaltig oder gezielt?

Die Frage hat in meinen Augen zwei Aspekte. Unter Umständen ist es der Mitspielerin nicht bewusst, dass sie No-Go-Themen anschneidet. Für diese Fälle verweise ich auf die nächste Frage zur X-Card, allerdings bin ich mir zum Glück keinem entsprechenden Vorfall bewusst.

Grundsätzlich bin ich dafür, zunächst darüber zu reden und notfalls auch das Spiel zu unterbrechen. Das hilft natürlich nichts in Fällen, in denen das gezielt geschieht, wie in dem bereits verlinkten Blogbeitrag zur Regel null. Dann hilft möglicherweise nur eine Trennung von der Person.

Was es bedeuten soll, eine No-Go-Area nachhaltigzu betreten, verstehe ich gerade nicht. Wenn es den Abend komplett versaut, würde ich gegebenenfalls vorschlagen, abzubrechen, um dann beim nächsten Mal wieder entspannt weiterzumachen, nachdem das Thema besprochen wurde.

 

Als dezenter, die Immersion nicht störenden Hinweis auf das Überschreiten einer roten Linie wird gerne auf das Konzept der X-Card verwiesen. Nutzt Du dies? Wie sind Deine Erfahrungen damit, oder warum verwendest Du sie nicht?

Wer die X-Card nicht kennt, findet Die X-Karte jetzt auch auf Deutsch beim Erzählspiel-Zine.

Von der X-Card habe ich vor einer ganzen Weile das erste Mal gehört, mich aber erst in letzter Zeit näher damit beschäftigt, als sie vermehrt auf Twitter vorgestellt wurde. In meinen bestehenden und tendenziell eher eingespielten Gruppen habe ich die X-Card bislang nicht eingeführt und keine entsprechenden Pläne. In zukünftigen Oneshots und den seitdem neuen Gruppen schlage ich sie hingegen gerne vor.

Nachhaltige Erfahrungen damit habe ich bislang nicht, weil sie in meinen Runden bislang nicht genutzt wurde. Auf der 3w6 Con in Wien lag sie auf den Tischen, wie es von den Veranstaltern gewünscht wurde, ohne dass sie jemand genutzt hat. Es sollte sich auch niemand an einem weiteren Stück Papier auf dem Tisch gestört fühlen. Selbst wenn die Karte nie genutzt wird, hat sie ihren Beitrag schon dann geleistet, wenn sich nur einmal eine Spielerin irgendwann wohler fühlt, weil sie für den Notfall da ist.

 

Bonusfrage(nkomplex):

Aufgrund der vielen Teilfragen habe ich im Folgenden die Fragestellung etwas entzerrt und ohne Anspruch auf abschließende Vollständigkeit beantwortet. (Die Fragen sind im Folgenden fett.)

Auf einer zunehmenden Zahl an Veranstaltungen werden klare Regeln hinsichtlich des No-Gos von sexueller Belästigung und dem Umgang damit aufgestellt und propagiert. Wie ist Deine Meinung dazu, brauchen wir das explizit oder sollte das nicht in der Gesellschaft verankert sein?

Obwohl ich Michaels Anmerkung zu dieser Frage so verstehe, dass er bewusst provozieren will, finde ich diese Frage sehr unglücklich. Natürlich „sollte das [] in der Gesellschaft verankert sein“. Für mich widerspricht jegliche Form der Belästigung dem Prinzip des zwischenmenschlichen Respekts. Das heißt allerdings nicht, dass wir auf die expliziten Regeln verzichten müssen.

Schon alleine die Tatsache, dass sexuelle Belästigung* ein ständiges Diskussions- und Protestthema ist, sollte als Hinweis ausreichen, dass es nicht ausreichend „in der Gesellschaft verankert“ wurde. Deshalb halte ich es für begrüßenswert, wenn Veranstalter in Communitystandards,Netiquetten, Teilnahmebestimmungen usw. darauf hinweisen und aktiv ein Zeichen für ein respektvolles Miteinander setzen.

*: In der Frage ist nur von „sexueller Belästigung“ die Rede, aber natürlich gilt das auch für Sexismus im Allgemeinen sowie andere Formen der Belästigung und Ismen.

Ist das nur eine „modische“ Folge des #metoo-Hypes?

Hype ist vermutlich die unschönste Bezeichnung, die man in diesem Zusammenhang nutzen kann. Solche Regeln und die Thematisierung von Belästigung und Ismen ist für mich gleichermaßen ein Zeichen dafür, dass der Zeitgeist für diese Themen sensibler wird. Wie bei der X-Card zählt bei der Folgefrage „Ist das im Rollenspielumfeld 2018 wirklich nötig?“ für mich, dass explizite Hinweise niemanden stören. Wenn sich dadurch auch nur eine Person wohler fühlt, dann sind sie zweifellos lohnenswert und setzen letztlich ein positives Zeichen.

Fühlt ihr euch damit wirklich besser oder verkrampft das die Situation nur?

Die Ausformulierung von Regeln gegeben jegliche Form von Belästigung hat mich bislang noch nie gestört oder die Situation verkrampft.

 

Wie der RPG-Blog-O-Quest funktioniert?

  • Und für die, die den monatlichen RPG-Blog-O-Quest immer noch nicht kennen, ist hier auch noch einmal die Erläuterung zu der monatlichen Aktion zusammengefasst:
  • An jedem Monatsersten stellen unterschiedliche Blogs, organisiert über das Forum auf RSP-Blogs, dem Rollenspielvolk fünf Fragen (in der Regel in Form von Lückentexten), um deren Beantwortung auf Blogs, in Podcasts, in Vlogs oder in Foren gebeten wird. Meistens gibt es außerdem eine oder mehrere Bonusfragen.
  • Jeder Monat erhält ein Hauptthema, um das sich die Fragen drehen.
  • Über die Zusendung der Links freuen sich die Ausrichter.
  • Jeder, der sich die Zeit nimmt, die Fragen zu beantworten ist herzlich willkommen.
  • Die „RPG-Blog-O–Quest“-Logos dürfen in den Beiträgen benutzt werden.
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Ein Gedanke zu „[Blog-O-Quest] No-Gos – Was gar nicht geht

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