Highlights von der Spielwiesn, dem Münchner Brettspielevent

Spielwiesn - Symbolbild © Sal

Herzen für die Spielwiesn (Bild: Sal)

Die Spielwiesn ist Münchens Brettspielevent des Jahres und trotz Widerigkeiten habe ich es letztlich geschafft, mir den Messesamstag freizuhalten. Ich schwanke zwar noch, ob Samstag dieses Jahr der beste Tag für einen Messebesuch war, aber insgesamt bin ich zufrieden und werde im nächsten Jahr wieder aufschlagen. Meine persönlichen Höhepunkte möchte ich gerne teilen.

Die Spielwiesn

Umso weiter man sich von München entfernt, umso weniger kennt man sie, daher kurz zur Einleitung: Die Spielwiesn ist eine Mitmachmesse rund ums Brettspiel und findet seit 26 Jahren in München statt. Seit acht Jahren bildet sie außerdem mit der MINT-Mitmachmesse Forscha eine gemeinsame Veranstaltung. In diesem Jahr ergänzten außerdem Die Modellbahn das Messeangebot für (Modell-)Eisenbahnfans sowie eine abwechslungsreiche Legoausstellung das Angebot.

Spielwiesn: Besucherantrag am Samstag © MPA – i!bk

Impression des Besucherandrangs am Samstag (Bild: MPA – i!bk)

Mit insgesamt 58.000 Besuchern (gemessen an den verkauften Tickets) ist der Messeverbund eine der wichtigsten Anlaufstellen für das analoge Spiel in Süddeutschland. Im Gegensatz zu anderen Spielmessen sind zwar auch Händler mit ihren Ständen eingeladen und verkaufen ihre Spiele, aber im Fokus steht vor allen Dingen das Ausprobieren und Spielen. Dafür gibt es beispielsweise jedes Jahr eine zentrale Spielothek, an der über 3.000 Spiele zum Ausleihen bereitliegen und die ehrenamtliche Erklärbären, die jederzeit hilfreich einspringen können, um die Regeln zu erklären.

Am Samstag war das Foyer des MOC München bereits lange vor der Öffnung der Hallen überfüllt. Der Stimmung hat das keinen Abbruch getan, obwohl die Messe wegen Überfüllung beinahe geschlossen werden mussten. Die Veranstalterin Petra Griebel hat entsprechend erleichtert berichtet, wie froh sie darüber war, dass man rechtzeitig eine neue Halle öffnen und zusätzliche Spielflächen bereitstellen konnten.

Im Gegensatz zum Messesonntag, den ich im letzten Jahr besucht habe, hat man den damit einhergehenden Stress an den Ständen deutlich gemerkt. Dadurch war es verhältnismäßig schwer, mit den Händlern und Verlagen tatsächlich ins Gespräch zu kommen. Ein paar Highlights gab es allerdings trotzdem.

Vom Ausbrechen und Teamwork

Keine besonders große Überraschung war die Präsenz von Exit-Games. Es gab sogar eine eigene Sonderfläche für die Brettspiele. Ich habe keinen Händlerstand gesehen, der auf eine breite Auswahl verzichtet hätte. Mobile Escape-Rooms, wie es sie auf anderen Messen gelegentlich schon gab, gab es allerdings dennoch nicht. Am Stand der Mysterie Rooms, einem der Escape-Room Anbieter, konnte man sich zumindest an Safes ausprobieren.

Neu war für mich in diesem Kontext das Konzept MysteryHome, das bei anderen Anbietern als Mysterie Rooms vielleicht auch besteht und anders heißt. Diese schließen etwas die Lücke zwischen den Exit-Games und den Escape Rooms. Das Konzept besteht darin, sich Handouts teilweise herunterzuladen und teilweise selbst zu gestalten, auszudrucken und im eigenen Haus zu verteilen. In Kombination mit einer App kann man sich so einen Escape Room in die eigenen vier Wände holen.

Ebenfalls Teamgeist erforderte das größte (kommerzielle) Puzzle der Welt mit 40.320 Teilen von Ravensburger, dass auf vierzehn Quadratmetern zusammengesetzt wurde. Hier konnte sich jeder beteiligen und einen kleinen Teil des Puzzles beitragen. Die Tische waren auch hier durchgehend gut besucht und wer Lego der Pappe vorgezogen hat, hatte mit dem Riesenmosaik von Bricking Bavaria eine Alternative.

Zeitreisen und das Elements-Realities-Universum

Elements Realities auf der Spielwiesn (© Giortech GmbH)

Elements Realities (Bild: Giortech GmbH)

Mein Höhepunkt der Spielwiesn war allerdings Giuseppe Giordano. Im letzten Jahr hat er mir mit einigen Prototyp-Teilen von seinem Brettspiel Elements Realities vorgeschwärmt. Damals war für mich die Zukunft des Spiels noch sehr offen, aber im letzten Jahr war er ziemlich umtriebig. Zur Messe erschien die deutsche Version des Spiels offiziell und es ist einiges mehr in Arbeit.

Ich konnte an seinem Stand einer Spielrunde zusehen, die sich gerade eingefunden hat und werde in einem späteren Blogpost ausführlicher auf mein eigenes Spielerlebnis eingehen. An dieser Stelle einfach nur eine Empfehlung. Es ist kein komplexes, wochenendfüllendes Megaspiel, aber ein ausgezeichnetes Coop, wenn es auch mal schnell und ohne Hightech-Miniaturen sein darf.

Mehr als ein Brettspiel

An der Stelle allerdings kurz zum Hintergrund des Spiels: Irgendwo im Gefüge von Raum und Zeit gibt es eine Art Alpha-Universum. Dies können wir uns als jenes Universum vorstellen, wie es existieren würde, wenn niemand die Geschichte verändert. Doch die finsteren Darklinge drängen in unsere Welt, um den Zeitverlauf zu verändern und unsere Realität destabilisieren. Deshalb müssen die Spieler als Zeitagenten durch die Zeit reisen, um die Pläne der Darklinge aufzuhalten.

Das Spiel greift konsequent reale Ereignisse der (griechischen) Geschichte auf, etabliert aber einen Zufallsmechanismus für die Missionen, sodass der Widerspielwert bleibt. Zusammen mit dem Spiel wurden bereits zwei kleine Erweiterungen veröffentlicht, die neue Missionen enthalten. Mittelfristig sind allerdings auch weitere Erweiterung geplant die die römische und persische Geschichte thematisieren.

Dabei wird es wohl nicht bleiben: Bereits jetzt sind zwei Romane in der Welt von Elements Realities in Arbeit und die Leseprobe macht bereits einen guten Eindruck. Außerdem reifen die Arbeiten und Planungen für eine Indie-Serie und ich bin mir sicher, dass da noch viel mehr kommt.

Normalerweise gelte ich in meinem Bekanntenkreis als Zyniker und würde einem solchen Megaprojekt, das quasi aus dem Nichts kommt, wenig Beachtung schenken: Giuseppe weckt in mir allerdings das Vertrauen, dass er auf einem sehr guten Weg ist, das Universum seines Spiels entsprechend zu entwickeln: Er ist schließlich der leidenschaftliche Verrückte aus Italien, der den italienischen Generalkonsul mit seiner Frau auf die Messe geholt hat, um ein völlig unbekanntes Brettspiel auszuprobieren.

Ausführliche Details folgen, aber ich wünsche ihm auf jeden Fall weiterhin viel Erfolg. Das Spiel ist einen Blick (und Kauf wert). Mich hat es jedenfalls überzeugt.

Kampfgeist und Turniere

Auch dabei war das traditionelle Benefiz-Turnier mit dem Spiel Terra München in dem es darum ging, wer die Landeshauptstadt besonders gut kennt. Dem Spiel stellten sich Münchner Stadträte von CSU, Den Grünen/Rosa Liste, FDP und SPD sowie der Geschäftsführer der Freien Wähler München. Letztlich konnte Beatrix Burkhardt (CSU) mit ihren Kenntnissen über die Landeshauptstadt glänzen und ein umfangreiches Spielpaket samt Eintrittskarten für den Tierpark Hellabrunn an die Stiftung Ambulantes Kinderhospiz München übergeben.

Am Freitag war außerdem der SchulFREItag, ein neu geschaffenes Format, bei dem über 1.000 Schülerinnen mit ihren Lehrerinnen aufliefen, um die Messen gemeinsam zu besuchen. In diesem Zuge gab es die erste bayerische Grundschul-Brettspiel-Meisterschaft. Damit verbunden war, dass der Termin dieses Mal zum ersten Mal nicht in den Ferien lag, was sich nach Auskunft und Einschätzung von Thomas Gärtner, Mitgründer und -Veranstalter der Messe, auch beim Ansturm am Samstag zeigte. Aufgrund des Schultags am Freitag haben sich wohl einige der üblichen, freitäglichen Familienausflüge dieses Jahr um einen Tag verschoben.

Am Samstag ging es dann weiter mit der Meisterschaft zum Spiel Heckmeck am Bratwurmeck und einem Simultan-Schachturnier, dem ich eine Weile gefolgt bin. Die Schachmeisterin Nato Imnadze hat sich knapp zehn Mädchen und Jungen im (geschätzten) Alter von zwölf bis vierzehn (und teilweise deren Eltern) gestellt. Souverän hat sie es irgendwie gemanagt, die Tische abzulaufen, zu spielen und Tipps zu geben, ohne jemanden warten zu lassen. Die Begeisterung der Kinder war förmlich spürbar und ansteckend.

Abgerundet wurde das Ganze von den kleinen Turnieren auf den Spielflächen der Verlage und dem jährlichen Finale der Deutschen Catan Meisterschaft.

Impressionen der Legoausstellung

Die Legoausstellung auf der Spielwiesn bot zahlreiche größere und kleinere Werke: Von einzelnen Raumschiffen bis zu ganzen Fantasy- und Städtelandschaften war einiges geboten, aber Bilder geben vielleicht einen besseren Eindruck davon als Worte:

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Fazit und Rollenspiele

Werbung für die Rollenspiele auf der Spielwiesn (Bild: Sal)

Werbung für die Rollenspiele auf der Spielwiesn (Bild: Sal)

In München fühlt man sich immer ein wenig vernachlässigt, was die Brett- und Rollenspielevents in Deutschland angeht, aber die Spielwiesn hat mich wieder etwas dafür entschädigt. Rollenspieler kommen allerdings immer etwas zu kurz. Lediglich der Münchner Haus- und Nerdvertrieb des FUNtainments stellt ein bis zwei Spieltische für Rollenspieler zur Verfügung, was aber angesichts der Messegröße etwas untergeht. Andererseits ist die Messe natürlich auch für das breite Brettspielpublikum und dennoch einen Besuch wert.

Der Termin 2018 ist der 16. – 18.11.2018 und steht bei mir auf jeden Fall schon einmal im Kalender.

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