#RPGaDAY-Überdruss: Die 10 interessanten Fragen

Es ist #RPGaDAY im August und es nervt mich etwas, insbesondere weil mir dieses Jahr nur wenige Fragen wirklich spannend erscheinen. Ob der ursprüngliche Zweck, das Hobby in die öffentliche Wahrnehmung zu rücken, wirklich gelingt, bezweifel ich ebenfalls. Daher mache ich mich ans Rosinenpicken und beantworte als einzige Beteiligung in diesem Jahr zehn der Fragen, die mir interessant erscheinen.
RPGaDAY 2017

Tag 02: What is an RPG you would like to see published?

Was für ein Rollenspiel würdest Du gerne veröffentlicht sehen?

Ich fände es großartig, wenn es ein Dishonored-Rollenspiel gäbe, welches das Spielgefühl und vor allen Dingen das Setting angemessen umsetzt. Irgendjemand liegt jetzt sicherlich daran, mir Blades in the Dark zu empfehlen: Nein! BitD ist nett und interessant, ist aber keinerlei angemessener Ersatz für mich, weil mir der Fokus viel zu eng ist. Dieser deckt nur einen Aspekt von dem ab, was ich mir von einem Rollenspiel in Gristol erwarte.

Ausführlicher habe ich meine Kritik an dieser Empfehlung hier im Tanelorn festgehalten.

Tag 07: What was your most impactful RPG session?

Was war Deine einflussreichste Rollenspielsitzung?

Ich glaube, meine erste Sitzung hat wesentlich mein Verständnis davon geprägt, was Rollenspiel ist. Damit dürfte sie die einflussreichste Sitzung meiner bisherigen Rollenspiel„karriere“ sein. Das Besondere war, dass ich in einer Freeform-Runde gelandet bin. Wir hatten kein Regelwerk und kein Settingbuch. Das Setting war lediglich grob damit umrissen: Die Mayas hatten Recht und ein Komet ist 2012 eingeschlagen – Jetzt ist die Magie erwacht, es gibt Zombies und Aliens und Postapokalypse.

Es waren großartige Sitzungen. Wenn eine Probe fällig wurde, haben wir 1w20 geworfen – Hoch ist gut. 1er und 20er mussten für kritische Effekte bestätigt werden. Der Spielleiter hat aufgrund des Ergebnisses einfach über Erfolg und Misserfolg entschieden und ich bin mir sicher, dass er das einfach nach Bauchgefühl und nicht anhand eines Zielwerts getan hat.

Jeder Charakter hatte eine magische Fähigkeit, die in ihm erwacht ist – Ein Balancing gab es nicht. Mein Charakter konnte beispielsweise fast alles reparieren und viel improvisieren. In Erinnerung ist mir geblieben, wie er einen Draht in die Steckdose gesteckt und mit einem Schrotthaufen verbunden hat: Eigentlich war es absurd, dennoch hat das den Schrotthaufen unter Strom gesetzen und Zeit gegenüber der anstürmenden Zombiehorde. Klingt mächtig? Ein anderer Spieler hatte als ingame Requisite eine Sammlung Magic-Karten. Mit der richtigen Begründung konnte er Monster beschwören, Feinde mit Blitzen erschlagen und vieles mehr.

Es wäre interessant zu sehen, wie ich heute Rollenspiele spielen würde, hätte die Runde damals ein ausformuliertes Regelsystem oder gar eines der regelstarken Systeme aus dem Mainstream genutzt – wie DSA, Pathfinder, Shadowrun usw. Hätte mich das Hobby dann überhaupt begeistert?

Tag 08: What is a good RPG to play for sessions of 2hrs or less?

Was ist ein gutes Rollenspiel, um Sitzungen von zwei Stunden oder weniger zu spielen?

Es gibt natürlich einen Haufen heißen Indie-Kram, der sich anbietet. Viele habe ich leider noch nicht getestet, aber mit The Pool kann ich ein System klar empfehlen. Die Regeln habe ich einmal genutzt, um Stirb langsam geleitet – das war bevor ich wusste, dass das Computerspiel auf einem allen bekannten Film basiert. Das war eine meiner kürzesten, aber intensivsten Sitzungen.

Weil die Proben bei The Pool keine Handlungen, sondern komplette Szenen entscheiden, kann selbst mit Kämpfen viel Handlung in wenig Zeit geschafft werden, die die Sitzung zu einem befriedigenden Erlebnis macht. Den direkten Vergleich dazu habe ich mit Risus und FATE Zero* gemacht: Das selbe Szenario habe ich am selben Tag mit diesen Systemen ebenfalls geleitet und es war nicht annähernd so befriedigend für mich.

*: Fate Zero ist eine minimalistische Zusammenfassung von Fate auf einer DIN A5 Seite. Leider finde ich den Link zum Tanelorn-Post nicht mehr. Update 11.08.17: Danke Athair für den Link in den Kommentaren.

Tag 09: What is a good RPG to play for about 10 sessions?

Was ist ein gutes Rollenspiel, um etwa zehn Sitzungen zu spielen?

Die Frage lässt mich etwas an den Fragestellern zweifeln, aber als Gegenstück zur vorangegangenen Frage auch eine Antwort: Dein Lieblingssystem – oder eins, was Du gut kennst, um die begrenzte Sitzungszahl nicht damit zu füllen, in den Regeln nachzuschlagen.

Ernsthaft: Wenn Du als Spielleiter eine Kurzkampagne von ungefähr zehn Sitzungen leiten möchtest, dann plane die Handlung entsprechend. Das Regelwerk unterliegt in meinen Augen keinen speziellen Einschränkungen: Willst Du taktische Kämpfe? Kämpfe schnell abhandeln? Brauchst Du spezielle Regeln für Dein Setting? Und viele andere Fragen scheinen mir relevanter als die Begrenzung auf etwa zehn Sitzungen.

Wer unbedingt ein eigenständiges System möchte, dem würde ich Don’t Rest You Head empfehlen. Ein tolles System finde ich! Zehn Sitzungen dürften eine sehr gute Länge sein, um die Charaktere in die Teufelsspirale des Wahnsinns zu drängen, ohne sie zwangsläufig auszulaugen. Gleichzeitig ist noch genug Luft, um die Charakterziele zu erreichen und jedem Handlungsstrang genug Raum zu geben.

Tag 22: Which RPGs are the easiest for you to run?

Welche Rollenspiele sind für Dich am einfachsten zu leiten?

RPGaDAY: Best Tools

Meine Marker-Sammlung, die ich immer dabei habe.

Grundsätzlich leiten sich für mich Rollenspiele, die auch meinen Spielergeschmack treffen am besten: Im Kern sind das spannende Settings mit eher leichten Regeln, die im Idealfall die Narration unterstützen. Zwei Aspekte erleichtern mir die Arbeit aber erheblich.

Erstens sollte das Setting nicht zu sehr ins Detail gehen, sodass NSCs und Strukturen leicht improvisiert werden können, ohne den Kanon zu stören. Genau wie man gelegentlich Regeln nachschlägt, kommt es ansonsten vor, dass man etwas vergisst, Probleme mit dem Kanon erzeugt oder nachlesen muss. Mir so etwas zu merken, fällt mir leichter, wenn etwas auf meinem Mist gewachsen ist.

Zweitens sollten Gegnerprofile gut improvisiert werden können. Systeme wie das Storyteller-System von White Wolf oder Savage Worlds sind hier positive Beispiele: Bei beiden Systemen weiß ich genau, welche Werte für einen NSC durchschnittlich sind. Davon ausgehend lassen sich selbst für Kämpfe schnell Werte improvisieren, indem ich über den Daumen peile, wie gut ein NSC vermutlich ist.

Tag 25: What is the best way to thank your GM?

Was ist der beste Weg, Deinem Spielleiter zu danken?

Einen besten Weg gibt es vermutlich nicht, weil das vom Spielleiter abhängig ist. Ich persönlich bin meistens und auch sehr gerne Spielleiter. Der beste Dank für mich ist, wenn man merkt, dass die Spieler Spaß hatten. Ein simpler Dank am Ende der Sitzung ist auch viel wert. Das kann aber auch seine Wirkung verlieren, wenn es am Ende der Sitzung jeder macht und wie eine gewohnte Höflichkeitsfloskel wirkt.

Gerade in regelmäßigen Runden kann es deshalb helfen, den dank mit einem konkreten Ereignis zu koppeln. „Danke fürs Leiten. Die Darstellung des verrückten Wissenschaftlers hat mir gut gefallen“ oder „Dank an den Spielleiter. Die Wendung durch den Grafen habe ich nicht vorhergesehen“ wirken am Ende viel persönlicher und läuft weniger Gefahr, sich abzunutzen.

Wer materialistischer ist, kann auch zu (symbolischen) Geschenken greifen. Sei es gelegentlich mal eine Pizza bei der gemeinsamen Essensbestellung, ein besonderes Würfelset oder etwas Ähnliches. Die Kosten kann man gut aufteilen, sodass es keinem Spieler wehtut und der Spielleiter freut sich bestimmt. Fingerspitzengefühl würde ich bei Rollenspielbüchern empfehlen: Zumindest ich kaufe mir normalerweise alle Bücher, die ich sie zum Leiten notwendig finde. Die Geste weiß ich zwar zu würdigen, aber im schlimmsten Fall steht das Geschenk dann nur im Regal.

Tag 27: What are your essential tools for good gaming?

Was sind die wichtigsten Werkzeuge, um gut spielen zu können?

Ich brauche meine Lieblingswürfel. Diese darf niemand anderes außer mir würfeln und sie sind alle handverlesen – anfassen ist in Ordnung, wenn vorher gefragt wird. Dazu kommen ein ausgedruckter Charakterbogen, Notizzettel, Bleistifte und beim Leiten eine Namensliste. Niemals beim Leiten vergessen: Eine passende Namensliste.

Außerdem habe ich in meinem AllRolledUp immer ein Tütchen mit Pöpeln, Markern und Miniwürfeln, die sich als Marker für Mooks nutzen lassen. Abgerundet wird das von einigen Go-Steinen in zwei Farben als Bennies oder ähnliches. Unbedingt notwendig halte ich diese aber nicht, da sie sich auch mit Würfeln oder schriftlich ersetzen lassen.

Ersatzfrage 02: Campaigns: do you prefer set-length or open-ended play?

Kampagnen: Bevorzugst Du eine feste Länge oder ein offenes Ende?

Ich präferiere ein offenes Ende: Der Grund ist im Wesentlichen, dass es mir schwerfällt, die Länge einer Kampagne realistisch einzuschätzen. Mein Klassiker vom Spieltisch sind Aussagen wie „Die Staffel dürften wir in etwa zwei Sitzungen schaffen“, auf die meistens noch mindestens fünf und (viel) mehr Sitzungen folgen.

Allerdings habe ich für mich gemerkt, dass zwei bis zweieinhalb Jahre eine gute Dauer ist, wenn die Gruppe oft und regelmäßig spielt. Dann setzen die ersten Ermüdungserscheinungen ein – sowohl als Spielleiter als auch als Spieler. Weiterhin begeistern mich unterdessen wieder so viele andere Systeme und Kampagnenideen, dass ich mich über einen Wechsel und auf eine neue Geschichte freue.

Ersatzfrage 05: What gives an RPG its ‘replay value’?

Was verleiht einem Rollenspiel seinen Wiederspielwert?

In meinen Augen ist es am ehesten ein inspirierendes Setting. Wenn ich bereits beim Lesen zahlreiche Kampagnenideen habe, die mich nicht loslassen, dann ist die Wahrscheinlichkeit am größten, dass ich wiederkomme, um eine neue Geschichte in diesem Setting zu erleben. Natürlich müssen die Regeln halbwegs passen, aber wenn sie mich nicht total abschrecken, dann kann man über Einiges hinwegsehen.

Ersatzfrage 06: What part or parts of a session do you look forward to the most?

Auf welchen Teil einer Sitzung freust Du Dich am meisten?

Ganz banal: Dem Anfang eines Abenteuers. Noch ist alles offen und nicht abzusehen, wie sich die Geschichte entwickeln wird.

Links

  • Die Fragen für #RPGaDAY2017 hat Michael Jaegers auf jaegers.net gesammelt und übersetzt. (Link auf den Beitrag)
  • Gedanken und Hintergründe zu der Aktion gibt es bei ihrem Urheber David F. Chapman im Blog. (Link auf den Beitrag)
  • Wer dieser Aktion überdrüssig ist, findet bei d6ideas den „rivalisierenden“ #RIVALaDAY. (Link auf den Beitrag)
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4 Gedanken zu “#RPGaDAY-Überdruss: Die 10 interessanten Fragen

    • Ich habe das leider erst gestern gesehen, aber ich mag die Idee, weil sie eindeutig produktiver und inspirierender ist, als der #RPGaDAY. Die Fragen sind ja teilweise schon sehr öde. Aber so Rivalitäten können ja eine gute Inspiration für Spielleiter sein – das mag ich.

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