[Anekdote] Selbstmord für Sorcerer

Als Spielleiter fragt man sich ja manchmal, was in den Köpfen der Spieler so los ist, aber das funktioniert auch als Mitspieler. Der Sorcerer in meiner freitäglichen Pathfinder-Runde hat einen ganz neuen Maßstab für absurd dämliche Aktionen gesetzt, die ich mir von der Seele schreiben muss – und ein bisschen unterhaltsam ist es im Grunde auch. Ich saß jedenfalls tatsächlich irgendwo lachend und weinend gleichzeitig am Tisch.

Unsere Gruppe besteht aus dem Halbork-Fighter Tsa’Aska und drei Aasimaren, einem Battle-Oracle, einem Barden und eben jenem Sorcerer aus der Dragonborn-Bloodline. Perfekt, um eine anstrengende Woche ausklingen zu lassen, spielt unsere Runde sehr taktisch und setzt wenig Wert auf Charakterspiel. Die meisten Informationen sind in der Regel offen und oft werden minutenlang Kästchen gezählt, um den perfekten Ort für einen Feuerball oder ähnliches zu finden.

Aus irgendeinem Grund wollte der Sorcerer nicht. Wir standen in einem schmalen, länglichen Raum vier geisterartigen Wesen gegenüber. Der Sorcerer litt bereits unter einem Stille Zauber, wodurch es ihm unmöglich war, Zauber zu sprechen, für die er magische Formeln aufsagen muss. Tsa’Aska hingegen, Krieger, AC-Monster und Damage Dealer, wurde von ihren Kräften bereits verwirrt.

Wer Pathfinder nicht kennt: Charaktere, die verwirrt sind, haben jeweils eine Viertel-Chance normal zu agieren, sinnlos vor sich hinzubrabbeln, sich mit einem Gegenstand in ihrer Hand zu verletzten oder das- bzw. denjenigen anzugreifen, der ihnen am nächsten steht – Außer, wenn sie angegriffen werden. Werden verwirrte Charaktere angegriffen, gehen sie auf den Angreifer los und versuchen möglichst viel Schaden auszuteilen.

Frustriert(?) entschließt sich der Sorcerer seinen Feueratem gegen die Feinde einzusetzen. Dafür stürmt er an das andere Ende des Raumes, an den Frontkämpfern, Fighter und Oracle vorbei, weil sie ihm im Weg stünden. Dabei rennt er an den drei verbliebenen Geistern vorbei, wobei er aufgrund des schmalen Raums von jedem Geist eine Attack of Oppertunity riskiert – Für Pathfinder- und DnD-Fremde: Das sind freie Attacken, die man bekommt, weil man sich im Angriffsbereich einer Person unvorsichtig verhält. Natürlich treffen alle drei Angriffe und verursachen über 70 Schadenspunkte, weil im Kampf ausweichen und starke Rüstungen einfach nicht zu den Sorcerer-Spezialitäten gehören.

Am Ende des Raums wird der Sorcerer völlig davon überrascht, dass der Raum zu kurz ist. Sein Feueratem trifft also die vordere Front der Gruppe. Während die Geister körperlos sind und nur reduzierten Schaden nehmen, wird selbst der Fighter mit seinem riesigen Hitpoint-Vorrat mit 55 Schadenspunkten locker um über ein Viertel seiner Hitpoints reduziert – außerdem ist es ein offensichtlicher Angriff, worauf der verwirrte Halbork dem Sorcerer hinterherstürmt.

Natürlich haben die Geister Combat Reflexes, ein Talent, das ihnen statt einer Attack of Oppertunity zusätzliche freie Angriffe gewährt, die auf den Halbork einstürmen. Weil die Geister ihre Feinde nur berühren müssen, um Schaden zu verursachen, schützt ihn selbst seine dicke Rüstung nicht und er kassiert über 40 weitere Schadenspunkte, ehe er zu seinem stärksten Schlag gegen den Sorcerer ausholt. (Ein ziemlich sicherer Treffer, weil nur eine gewürfelte 1 – ein automatischer Fehlschlag – den Fighter davon abgehalten hätte, den Sorcerer zu treffen.)

Der Sorcerer hat gar nicht mehr genug Zeit, um festzustellen, dass ihn der Schlag augenblicklich tötet. (Zur Erklärung: Charaktere können normalerweise eine gefühlte Ewigkeit verbluten, bis sie auf negative Hitpoints in Höhe ihrer Konstitution fallen und sterben. Der Schlag reicht aber, um den Sorcerer von einem positiven Betrag seiner Hitpoints über diesen Wert hinaus zu befördern und damit tatsächlich zu töten. Wobei wir auf Level 14 sind und der Tod bei Pathfinder sehr relativ ist. Während der Kampagne ist der Fighter schon mehrmals gestorben und zurück ins Leben geholt worden.)

Manchmal fragt man sich, was in den Köpfen der (Mit-)Spieler vorgeht. Manchmal scheint es so, dass die (Mit-)Spieler das selbst nicht wissen. Wo genau der Plan im Kopf des Spielers schiefgegangen ist, ließ sich leider nicht mehr rekonstruieren. Aber irgendwie kommen wir darauf klar. Und wenn ich schon beim Posten bin: Tauscht jemand einen Sorcerer gegen einen ein Fass mit Bier oder so? …

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8 Gedanken zu “[Anekdote] Selbstmord für Sorcerer

  1. Manchmal gibt es sie, diese kleinen „Aussetzer“ ;D

    Ein Magier in unserer DSA Runde hat einmal offensichtlich (wir waren in ein Grabmal eingedrungen) laaaaange abgelaufene Alchemika in einen Kampf geworfen.
    Bis heute verstehen wir nicht, warum der Spieler diese Idee ausgeführt hat. Obwohl wir ihn OoC schon vor dem Wurf fast zur Schnecke gemacht haben.

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  2. Für eine gewisse Zeitspanne verfielen alle in eine Art Kampfrausch. Wir griffen wahllos unsere Gefährten an.

    Als der Magier die Phiole warf, war ein Teil der Gruppe im Kampf und ein Teil dabei einen auf der Schwelle des Todes steckenden Gefährten zu heilen. Durch die Aktion hätten wir ihn fast verloren, denn wäre er getroffen worden, hätten wir ihn definitiv nicht mehr retten können.

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  3. So Momente kenne ich von mir selbst sehr gut. Ich konnte sie jedoch immer vorher verhindern, weil ich die Spieltermine abgesagt habe. Es gab nur einen Termin, auf den meine Mitspieler damals bestanden, weil sie mir nicht glauben wollten, dass es Tage gibt, an denen man aufgrund bestimmter Ereignisse im Vorfeld, vielleicht die Würfel besser ruhen lassen sollte. Das Ergebnis war, der Spielabend war für alle ein Flop und wurde geretconnt.

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    • Das kann ich nachvollziehen. So schlimm war es bei mir noch nie, dass man retconnen musste, aber manchmal merkt man halt vorher, dass das nichts wird. Hatte auch schon Sitzungen, wo ich letztlich nur an meinem Bier genuckelt und mich möglichst weit zurückgehalten habe. Als Spielleiter sage ich dann Runden mittlerweile konsequent ab, wenn sich zeigt, dass es einfach nichts wird an dem Tag.

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