Vom gewöhnlichen Toten

Möglicherweise zweifelt irgendein Lebender daran, dass die Vorbereitungen für eine Reise durch die Unterwelt zügig gehen können. Wer vier Jahre unterwegs ist, sagen die Zweifler, muss allerlei einpacken und darf nichts vergessen. Hier kommt daher ein Eindruck in Los Muertos Charaktererschaffung.

In Los Muertos ist die Charakterschaffung schnell und eine Sitzung, die nur der Charaktererschaffung gewidmet ist, entfällt. Wir überlegen uns also, wen wir spielen wollen und verteilen anschließend Werte und sind dann bereits fast fertig. Zu den Details:

Da mein Einblick in die Charaktererschaffung detailliert sein soll, gehe ich jeden Schritt durch und blähe so auch die Charaktererschaffung ein wenig auf. Nachdem ich bereits zum Charakterschaffungstermin mit einer groben Vorstellung gekommen bin, die am Ende noch einmal angefügt ist, beantworte ich zunächst folgende Fragen zu meinem Charakter (regelkonform in Stichpunkten):

Die Fragen:

Die Fragen dienen dazu, sich ein Bild davon zu machen, wen man spielt. Erfahrene Rollenspieler können sich daher selbst ausmalen, dass der konkrete Umfang dieses Punktes von Spieler und Runde abhängen und daher sehr variieren kann. Ich halte mich hier stur an die Regeln und brauche dennoch nicht lang.

Wie ist der Charakter gestorben? Welches Geschlecht hatte er? Wie alt war er?
– Klavier auf den Kopf gefallen -> überlebt, weil gute Konstitution, aber benommen -> Wunsch erst einmal einen Kaugummi auf den Schreck, auf der Strasse stehengeblieben, um zu kramen -> vom Auto erfasst -> Auto Totalschaden, Charakter erstickt an Kaugummi
– männlich
– Mitte 30

Wie sieht es mit Charaktereigenschaften, Arbeit, Hobbys und Familie aus?
– durchtrainiert, aber langsam im Kopf, sehr höflich, etwas naiv
– Arbeitet als Bodyguard
– Hört gerne Mozart, aber nur „Eine kleine Nachtmusik“, Ping-Pong-Spieler, mag Mikado, hat aber zu dicke Finger dafür
– hat eine Katze -> fast besser als Familie, keine Freundin, aber Eltern, zwei Geschwister

Was waren seine wichtigsten Erfahrungen, Ideale, Hoffnungen und Ängste?
– hat die Schule nicht geschafft und scheiterte an mehreren Ausbildungen
– träumt von einer Welt, in der alle lieb zueinander sind
– hofft eine Freundin zu finden (oder einen Freund, warum andere da wählerisch sind, geht ihm nicht in den Kopf, er mag beides)
– hat Angst vor Photoapparaten -> Mutter meinte, Photoapparate machen sie dick (Adam achtet sehr auf seine Figur)

Wie sieht die Figur aus, wie ist sie gekleidet und was trägt sie bei sich?
– mittelgroß, stämmig und durchtrainiert
– Bürstenhaarschnitt, braunes Haar
– trägt: ein Ping-Pong-Vereinsshirt und eine Hose in Tarnfarben
– hat dabei: Kaugummipackung (-1 Kaugummi), Geldbeutel, Schweizertaschenmesser „made in Taiwan“ (gehört da nicht noch eine Klinge dazu?), MP3-Spieler (128 MB) mit „Eine kleine Nachtmusik“ und einer kleinen AAA-Batterie

Der Charakterbogen

Nachdem wir wissen, wen wir spielen, können wir uns nun an die Charakterwerte machen. Um weiterhin ganz ordentlich zu sein, fülle ich im Nachfolgenden den kompletten Charakterbogen aus und erspare mir – und dem Leser – lediglich, ein Bild meines Charakters selbst zu gestalten.

Name der Seele: Adam „Tiny A“ Deiny
Dieser Tote gehört: sich selbst (ach sind wir heute wieder lustig – weil der Humor des Spielleiters nicht vorhanden ist, radiere ich das wieder aus und will meinen Namen hinschreiben – wobei, wer Los Muertos leitet, kann so ernst nicht sein: Ich schreibe erneut „sich selbst“ rein und habe damit Zeit geschunden)
Todesumstände: Da wir das bereits in den Fragen beantwortet haben, schreiben wir hier nur die Kurzfassung herein: „An einem Kaugummi erstickt“. (Der Platz dafür ist ohnehin erstaunlich gering.)
Was man über den Toten wissen sollte: Wir schreiben hier „MEINER!“ rein, weil alles Wichtige in den Fragen steht, deren Antworten auf der Rückseite des Charakterbogens steht, wo wir tatsächlich Platz haben. Ich ergänze dann aber noch als Archetyp: „Geistig ungeschickter (dummer), aber liebenswerter Muskeltyp“.

Anschließend gehe ich zu den Werten über: Dafür wähle ich zwischen zwei Schablonen aus, die festlegen, welche Höhe meine Fähigkeiten haben können. Für Adam reicht mir ein gewöhnlicher Toter, daher dürfen wir je zwei Fähigkeiten auf 3, 2 und 1 wählen und 3 Spezialisierungen verteilen, wobei aufeine Fähigkeit höchstens zwei kommen dürfen.

Adam ist gut gebaut und sehr ausdauernd, wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hat, deshalb verteilen wir auf Wille und Körper je 3 Punkte.

Weil er eigentlich ein netter Typ und aufmerksamer Kerl ist, bekommt Adam Soziales und Sinne auf 2.

Dass er stark ist und deshalb ein Schlägertyp sein muss, ist nur ein Vorurteil. In Schlägereien setzt er mehr auf bloße Kraft als auf Technik. Da er außerdem nicht schnell im Kopf ist, erhält er Kämpfen und Geistiges schließlich auf 1.

Als Spezialisierung nehmen wir unter Körper auf jeden Fall „Muskelprotz“.

Jeder Punkt in einer Fähigkeit bedeutet, dass wir bei einer passenden Probe, eine Karte ziehen dürfen. Eine passende Spezialisierung gibt uns eine zusätzliche Karte. Ich will, dass Adam wenigstens ein wenig Kämpfen kann. Weil er im Kampf auf seine bloße Körperkraft vertraut, soll das durch seine Spezialisierung ausgedrückt werden. Da ich keinen passenden Vorschlag finde, spreche ich mich mit dem Spielleiter ab und einige mich mit ihm auf die „eigene“ Spezialisierung „voll harter Faustschlag“. Damit bekommt er eine zusätzliche Karte, wenn er mit der bloßen Kraft seines Faustschlags zulangt, ohne Schicksalspunkte ausgeben zu müssen.

Die letzte Spezialisierung legen wir auf Wille, weil ich mir Adam als jemanden vorstelle, der mutig wirkt. Er ist zwar nicht mutiger als andere, aber da er Gefahren erst zu spät erfasst und deshalb oft keine Zeit bleibt, zurückzuweichen, notiere ich unter „eigene“ die Spezialisierung „Muuuutik!“ und erkläre dem Spielleiter, dass das „mutig“ für Dumme ist.

Unter Gepäck tragen wir schließlich noch ein, was wir bei der letzten Frage notiert haben, sowie die Anzahl unserer Schicksalspunkte, die dem Willen entsprechen, und sind damit bereit die letzte Reise der Seele anzutreten. Ich hoffe, dass wenigstens ein Leser bis hier durchgehalten hat und Nutzen aus diesem Einblick in die Charaktererschaffung in Los Muertos ziehen konnte. Hier noch der Anhang:

Zusammenfassung

Zusammengefasst sieht Adam so aus:
Körper und Wille: 3
Soziales und Sinne: 2
Kämpfen und Geistiges: 1

Spezialisierungen:
– Kämpfen: voll harter Faustschlag
– Körper: Muskelprotz
– Wille: Muuuutik!

Schicksalspunkte: 3

Gepäck:
– angerissene Kaugummipackung (-1 Kaugummi)
– Geldbeutel mit Kleingeld, Ausweis etc.
– MP3-Spieler (128 MB) mit „Eine kleine Nachtmusik“ und einer kleinen AAA-Batterie

Hintergrund:
Wie ist der Charakter gestorben? Welches Geschlecht hatte er? Wie alt war er?
– Klavier auf den Kopf gefallen -> überlebt, weil gute Konstitution, aber benommen -> Wunsch erst einmal einen Kaugummi auf den Schreck, auf der Strasse stehengeblieben, um zu kramen -> vom Auto erfasst -> Auto Totalschaden, Charakter erstickt an Kaugummi
– männlich
– Mitte 30

Wie sieht es mit Charaktereigenschaften, Arbeit, Hobbys und Familie aus?
– durchtrainiert, aber langsam im Kopf, sehr höflich, etwas naiv
– Arbeitet als Bodyguard
– Hört gerne Mozart, aber nur „Eine kleine Nachtmusik“, Ping-Pong-Spieler, mag Mikado, hat aber zu dicke Finger dafür
– hat eine Katze -> fast besser als Familie, keine Freundin, aber Eltern, zwei Geschwister

Was waren seine wichtigsten Erfahrungen, Ideale, Hoffnungen und Ängste?
– hat die Schule nicht geschafft und scheiterte an mehreren Ausbildungen
– träumt von einer Welt, in der alle lieb zueinander sind
– hofft eine Freundin zu finden (oder einen Freund, warum andere da wählerisch sind, geht ihm nicht in den Kopf, er mag beides)
– hat Angst vor Photoapparaten -> Mutter meinte, Photoapparate machen sie dick (Adam achtet sehr auf seine Figur)

Wie sieht die Figur aus, wie ist sie gekleidet und was trägt sie bei sich?
– mittelgroß, stämmig und durchtrainiert
– Bürstenhaarschnitt, braunes Haar
– trägt: ein Ping-Pong-Vereinsshirt und eine Hose in Tarnfarben
– hat dabei: Kaugummipackung (-1 Kaugummi), Geldbeutel, Schweizertaschenmesser „made in Taiwan“ (gehört da nicht noch eine Klinge dazu?), MP3-Spieler (128 MB) mit „Eine kleine Nachtmusik“ und einer kleinen AAA-Batterie

Vorüberlegungen zum Charakter, die wir uns bei der Anreise im Bus gemacht haben, weshalb sie nicht zur Charaktererschaffung zählen:

Name: Adam „Tiny A“ Deiny

Charakterlich: Adam ist ziemlich umgänglich, aber naiv. Wer freundlich zu ihm ist, ist sein Freund, wer nicht freundlich zu ihm ist, den mag er eher nicht – und der hält sich besser von ihm fern, um nicht den großen Muskelbergen zum Opfer zu fallen, die Adam allerdings nicht gegen Menschen einschätzen möchte. Er ist ein sehr aufmerksamer Mensch, allerdings nicht unbedingt intelligent, sodass er die meisten Probleme schon lange bemerkt, ehe ihm der Verdacht kommt, dass es Probleme geben könnte.

Seine Schwächen bestehen darin, dass er ziemlich leichtgläubig gegenüber jedem ist, der freundlich zu ihm ist und eine tierische Angst vor Photoapparaten hat, weil seine Mutter immer gesagt hat, Photoapparate würden sie dick machen und Adam doch auf seine Figur bedacht ist…

Lebensweg: Kinder, die sich beim Denken Zeit lassen, haben es manchmal schwer. So hat Adam die Schule nicht sonderlich zufriedenstellend abgeschossen und eine Ausbildung angefangen. Zunächst als Schreiner, was ihn gelangweilt hat, dann Automechaniker, was ihn überfordert hat, dann als Kerzendreher, wovon er nicht leben konnte…

Kurzzeitig Erfolg hatte er als Versicherungsvertreter für Unfallversicherungen: Offenbar spornt ein dumpfer Typ im Anzug mit ordentlichen Oberarmen, der mit freundlicher, unverbindlicher Stimme meint: „Unfälle passieren und wenn man dann keine Versicherung hat…“ ungemein an, eine Unfallversicherung abzuschließen. Schließlich landete er irgendwie bei einem reichen, netten Onkel mit italienischem Designeranzug als Bodyguard, was ihm mehr zusagte. Schnell handeln, ohne vorher darüber (zu viel) nachzudenken.

Todesumstände: Unfälle passieren eben auch auf dem Weg zur Arbeit. Eine Umzugsfirma hatte den Bürgersteig schlecht gesichert, sodass niemand sich daran gestört hat, als Adam unter dem Fenster hindurchlief, durch das gerade ein schweres Klavier gehievt wurde, jedenfalls bis sich das Seil verhakte und die Träger es nicht mehr halten konnten.

Dank seiner Konstitution steckte er das ganz gut weg, dumpf, wie er ist, bemerkte er seine Benommenheit kaum beim Wegtorkeln. Auf den Schock also erst einmal einen Kaugummi – man merke vielleicht an, dass man nicht mitten auf der Strasse in einer uneinsehbaren Kurve danach suchen sollte. Es gehört wohl zur Ironie seines Lebens – oder Todes, dass er nach dem Unfall blutüberströmt mit gebrochenen Knochen an seinem Kaugummi erstickte, nachdem das Auto einen Totalschaden hinnehmen musste.

Hinweis:

Adam freut sich auf Abenteuer in der Unterwelt und darf als NPC oder SC frei genutzt und modifiziert werden. Über eine entsprechende Rückmeldung freue ich mich. Sollte er online verfügbar gemacht werden, bitte ich um eine Verlinkung auf diesen Beitrag.

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